2.2.4    Folgerungen für SBR-Anlagen

Der Schlammvolumenbeschickung im vertikal durchströmten Becken ist in Abb. 2-14 das Produkt aus VSV und Sinkgeschwindigkeit für die Sedimentation in ruhendem Medium - im folgenden als Schlammvolumensinkgeschwindigkeit bezeichnet - gegenübergestellt. Da beide Größen im Prinzip den gleichen Vorgang beschreiben - die auf die wirksame Oberfläche bezogene Schlammbewegung - erhalten beide die gleiche Abkürzung qSV.

Durch die Einführung dieser Größe bei diskontinuierlich beschickten Behältern wird ein Vergleich mit kontinuierlich beschickten - horizontal und vertikal durchströmten Becken - möglich. Zu klären ist, in welchem Bereich die so beschriebene Absetzleistung bei SBR-Anlagen anzusiedeln ist, um von dort ausgehend zu verläßlichen Angaben über die erforderliche Sedimentationszeit, das zulässige Austauschverhältnis bzw. das erforderliche Beckenvolumen zu gelangen.

Hinsichtlich der hydraulischen Vorgänge ist der Batch-Reaktor aufgrund der diskontinuierlichen Beschickung und der von äußeren Strömungseinflüssen freien Sedimentation am ehesten mit dem Absetzversuch zu vergleichen. Die Schlammvolumensinkgeschwindigkeit wird jedoch im SBR-Becken höher liegen, da der Absetzvorgang hier von Gefäßwandungen unbeeinflußt ist und durch die größere Füllhöhe beschleunigt wird.

Diese These wird durch das Absetzverhalten von Belebtschlamm in horizontal durchströmten Becken bestätigt. Die Sinkgeschwindigkeiten sind - wie in Abschnitt 2.2.2 beschrieben - mit den in Absetzversuchen gefundenen Werten vergleichbar. SBR-Anlagen werden jedoch aufgrund der günstigeren Strömungsverhältnisse höhere Absetzraten erreichen.

Im Merkblatt M 210 der ATV (1997) wird als Schlammvolumensinkgeschwindigkeit qSV ein pauschaler Wert von 650 l/(m2·h) veranschlagt. Dem SBR-Verfahren wird damit im Vergleich zu den anderen genannten Nachklärverfahren die beste Wirkung auf das Schlammabsetzverhalten bescheinigt, da dieser Wert mit einer Differenz von 50 l/(m2·h) noch über der nach A 131 höchstzulässigen Schlammvolumenbeschickung für vertikal durchströmte Anlagen liegt.

KAYSER (1995) geht noch weiter und übernimmt den von RESCH (1985) für vertikal durchflossene Becken gefundenen Wert von qSV = 725 l/(m2·h) direkt als maßgebliche Schlammvolumensinkgeschwindigkeit. Als Grundlage dafür dient offenbar die in Abschnitt 2.2.3 beschriebene Ähnlichkeit der hydraulischen Verhältnisse beim behinderten Absetzen und bei aufsteigender Wasserbewegung. Als Folge werden auch für die Flockung ähnlich gute Bedingungen angenommen.

In Auswertung der Ergebnisse dieser Arbeit ergibt sich, daß der im M 210 angegebene Wert für qSV von 650 l/(m2·h) keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben und im Einzelfall zu hoch angesetzt sein kann (s. Abschnitt 6.2).



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