3.3 Charakteristika und Probleme der Verfahrensführung

Eine bewußt sehr einfache und damit auch kostengünstige Verfahrensgestaltung kann nur realisiert werden, wenn gleichzeitig der Verzicht auf Kontrollmöglichkeiten und damit Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der Abbauleistung in Kauf genommen werden.

So ist das SBR-Becken den starken hydraulischen Belastungsschwankungen durch das Fehlen eines Vorspeichers direkt ausgesetzt. Es resultieren stark unterschiedliche Belüftungszeiträume und infolgedessen auch eine große Schwankungsbreite des Nitrifizierungsgrades.

Weitere leichte Unregelmäßigkeiten der Abbauvorgänge im SBR-Reaktor können durch die fehlende Möglichkeit, den Abwasserzufluß zeitlich zu steuern, entstehen. Die Denitrifikation wird wesentlich davon beeinflußt, wieviel organisches Substrat zur Verfügung steht. Ereignet sich ein Abwasserschub erst gegen Ende oder nach Beendigung der Mischphase, wird dadurch die Denitrifikationsleistung reduziert, wenn nicht aus dem vergangenen Zyklus noch leicht abbaubares Substrat vorhanden ist.

Die Nitrifikation wird bei ausreichender Belüftung durch Pumpstöße wahrscheinlich nicht behindert, da wegen der starken Verdünnung des mit einem Abwasserschub zugeführten organischen Substrates die heterotrophe Atmung nur wenig ansteigen und infolgedessen der Sauerstoffgehalt im Becken nur geringfügig sinken wird. Andererseits wird jedoch ein umso geringerer Anteil des zufließenden Ammoniums nitrifiziert, je näher ein Pumpstoß am Ende der Belüftungsphase liegt.

Hier erweist sich eine zweite Reinigungsstufe, wie sie in Kappe mit dem nachgeschalteten Pflanzenbeet realisiert wurde, als sinnvolle Ergänzung, um die genannten Unregelmäßigkeiten abzufangen. Vor allem aber wird dadurch eine Entfernung des organischen Kohlenstoffs sichergestellt, der die Anlage mit dem letzten Abwasserschub vor Beginn der Sedimentationsphase erreicht und daher im SBR-Reaktor nicht mehr umgewandelt werden kann.

Ein zusätzlicher Kontrollverlust ergibt sich aus der Tatsache, daß der Zufluß auch während der Absetz- und Dekantierphase nicht unterbrochen wird. Zwar wird das zufließende Abwasser durch entsprechende Anordnung des Zulaufs in der unteren Hälfte des Aufstaubeckens eingeschichtet und dadurch eine Vermischung mit dem abzuziehenden Klarwasser vermieden. Eine Aufwirbelung des sedimentierenden Belebtschlammes ist dagegen unvermeidlich, so daß ab einer bestimmten Schlammenge im Becken ein Schlammabzug während der Dekantierphase nicht ausgeschlossen werden kann.

Um einer solchen Aufwirbelung entgegenzuwirken, wurde das Vorklärbecken später um die Funktion der Vorspeicherung erweitert. Dazu wurde in der Vorklärung der Wasserspiegel soweit abgesenkt, daß ein Überlauf in das SBR-Becken während der Sedimentations- und der Dekantierphase ausgeschlossen werden konnte, und eine zusätzliche Pumpe für eine zeitgesteuerte Abwasserzufuhr in den Reaktor installiert.

Es ist zu folgern, daß der Schwachpunkt des SBR-Teils der Anlage, der eine zweite Reinigungsstufe erforderlich macht, darin liegt, daß die Reaktionsphase infolge der Füllstandssteuerung grundsätzlich mit einem Abwasserschub endet, der dadurch einer biologischen Behandlung im Reaktor entgeht. Bei einer mittleren CSB-Konzentration im Zulauf des SBR-Beckens von ca. 900 mg/l (s. Abschnitt 5.2) wird der CSB im Becken um knapp 40 mg/l angehoben. Spitzenkonzentrationen im Zulauf führen zu einer Aufkonzentrierung um weitere 10 mg/l.

Der Einbau eines Pflanzenbeetes bot sich in Kappe insbesondere dadurch an, daß hierfür ein ehemaliger Schönungsteich genutzt werden konnte, so daß ein Bodenaushub kaum noch erforderlich war.



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